Warnung vor Apokalypseblindheit

13.03.2022

Wir nicht dürfen nicht glauben, dass Unvorstellbares nicht eintreten wird, nur weil wir uns das nicht vorstellen können.

Mein Kommentar für Politikum auf WDR 5 zu Krieg und Klimakrise:

„Ich bin so wütend auf uns, weil wir historisch versagt haben“, hat die Ex-Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer getwittert, und Außenministerin Annalena Baerbock hat verkündet, wir seien in einer anderen Welt aufgewacht – obwohl sie es ja war, die vor genau dieser anderen Welt schon lange gewarnt hat.

Auch im Wahlkampf hat sie Putins Absichten erläutert  und sich deswegen gegen North Stream 2 ausgesprochen. Aber damals wollte keiner hören. Es konnte sich ja keiner vorstellen, dass Putin wirklich ernst machen würde.

Jetzt muss Olaf Scholz eine „Zeitenwende“ einläuten und eine 180 Grad Kehrtwende in der Sicherheitspolitik, 100 Milliarden schwer.

Natürlich muss sich, während die Bomben auf Kiew und Karkiv niederhageln, sich alle politische Aufmerksamkeit auf diesen Angriff richten, und darauf, wie wir den Menschen in der Ukraine helfen können.

Doch jetzt ist auch ein guter Moment, vor Apokalpyseblindheit zu warnen. Wir nicht dürfen nicht glauben, dass Unvorstellbares nicht eintreten wird, nur weil wir uns das nicht vorstellen können. Wir sollten Sicherheitswarnungen nicht länger überhören.

Einen Krieg in Europa konnten wir uns nicht vorstellen, weil wir uns keinen Krieg in Europa vorstellen konnten. Und so genau so können wir keine Kipppunkte im Erdsystem vorstellen, weil das kein Mensch je erlebt hat, was dann passiert.

Deshalb hören wir nur halb hin, wenn uns der sechste Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC eindringlich warnt, dass die Zeit knapp ist. Dass wir nur noch wenige Jahren haben, um die CO2-Emssionen zu stoppen. Dass sonst Milliarden Menschen vor den Folgen fliehen müssen.

 

Auch dieser Countdown läuft. Die Klimakrise macht leider keine Pause, weil ein zusätzliches gigantisches Sicherheitsproblem akut geworden ist. Atomkraftwerke werden nicht sicherer, weil Bomben fallen – im Gegenteil. Und auch Kohlkraftwerke sind kein Teil der Lösung.

 

Wir sollten jetzt alles dafür tun, dass Politiker in wenigen Jahren nicht fassungslos auf eine zerstörte lebensfeindliche Natur starren und sagen, wir sind so wütend auf uns, weil wir historisch versagt haben.